Die Höhlen der Flatzer Wand

Im Inneren der Bergmilchkluft
Im Inneren der Bergmilchkluft

Die 17 Höhlen der Flatzer Wand liegen allesamt in der Teilgruppe 1861 Gösing-Hochberg. Namentlich handelt es sich hierbei um:

  • 2 Dachslucke
  • 4 Felsnische
  • 5 Gemauerte Lucke (Flatzer Loch)
  • 6 Heuschreckenspalte (Karlsteigloch)
  • 8 Jungfrauenkeller
  • 9 Langes Loch (Flatzer Tropfsteinhöhle)
  • 10 Lochsteighöhle (Lochsteigloch)
  • 11 Neue Höhle
  • 13 Rötellucke (Rötelloch)
  • 14 Schiebbögen
  • 16 Schwarze Lucke (Marienhöhle)
  • 18 Windloch
  • 24 Rohrauer Höhle (Wandsteigloch)
  • 30 Marterkluft
  • 32 Bergmilchkluft
  • 56 Fuchsloch
  • 67 Kübellucke

 

Höhlen im östlichen Teil der Flatzer Wand

Langes Loch (Flatzer Tropfsteinhöhle) 1861/9

Die größte und bekannteste Höhle der Flatzer Wand ist die Flatzer Tropfsteinhöhle oder auch Langes Loch genannt (Katasternummer 1861/9). Sie wurde in den Jahren 1904 bis 1906 freigelegt und als Schauhöhle erschlossen. Damals gab es in der Museumshalle eine kleine Ausstellung von Fundstücken; die Anlagen sind heute verfallen. Es wurden bis zu 3000 Jahre alte Werkzeuge, Tonscherben und Knochen gefunden. Das Lange Loch liegt im östlichen Teil der Flatzer Wand und ist über ein mittlerweile ziemlich verwachsenes Steiglein erreichbar, das vom Wandsteig abzweigt (Tafel: Zur Flatzer Tropfsteinhöhle). Die letzten Meter sind mit einer Aluleiter gesichert.

Das Lange Loch ist 90 m lang und bis zu 3 m hoch. Es spaltet sich in zwei parallele, meist geräumige Kluftgänge (Hauptgang und Rathstollen), die am Ende in der sogenannten Museumshalle wieder zusammenführen. Vom künstlich veränderten Haupteingang (1 m breit, 2 m hoch) führt zuerst ein schmaler, hoher Gang (die sogenannte Wandererklamm) abwärts in die Teilungshalle, in die von links auch der zweite, kleinräumigere Zugang, die Dachslucke (1861/2), mit einer äußerst engen senkrechten Spalte einmündet. Diese Verbindungsspalte ist heute auf der Seite von der Dachslucke vergittert. Geradeaus weiter kommt man bald zu einer Abzweigung. Rechts kommt man über den schlotartig ausgebildeten Rohrauerdom, eine größere Raumerweiterung, in die Museumshalle, wo sich der rechte wieder mit dem linken Gang (Rathstollen - mit künstlich in den Fels gehauenen Stufen) vereinigt. Die Museumshalle (8 m lang, bis zu 4 m breit und 6 m hoch) ist der tiefste Punkt der Höhle, hier ist man 11 m tiefer als beim Eingang.

Der ehemals schöne Tropfsteinschmuck der Höhle ist stark beschädigt. Im Winter wird sie zum Schutz der Fledermäuse mit einer Gittertür versperrt.

Der Eingangsbereich, links neben der Höhle steht eine Infotafel
Der Eingangsbereich, links neben der Höhle steht eine Infotafel
Die Katasternummer
Die Katasternummer
Gleich nach dem Eingang folgt die abwärtsführende Wandererklamm, ein schmaler und hoher Gang
Gleich nach dem Eingang folgt die abwärtsführende Wandererklamm, ein schmaler und hoher Gang
Blick zurück
Blick zurück
Abzweigung: Links der Rathstollen, rechts der Hauptgang über den Rohraurerdom
Abzweigung: Links der Rathstollen, rechts der Hauptgang über den Rohraurerdom
Der Weg vom Rohrauerdom Richtung Endhalle
Der Weg vom Rohrauerdom Richtung Endhalle
In der Museumshalle steht der Rathstollen angeschrieben
In der Museumshalle steht der Rathstollen angeschrieben

Dachslucke 1861/2

6 m westlich des Langen Loches (1861/9) liegt die Dachslucke; sie ist ein zweiter Eingang zu diesem. Ursprünglich wurde sie als eigene Höhle mit einer Länge vom 20 m betrachtet. Im Jahre 1958 sowie ein weiteres Mal 1971 wurde die sehr engräumige Verbindung mit dem Langen Loch festgestellt und befahren. Heute ist der Eingang mit einem Gitter versperrt, daher sind nur etwa die ersten 3 m des nischenartigen Vorraumes betretbar.

Dachslucke
Die Dachslucke - vor Ort steht „Dachsloch“ angeschrieben

Felsnische 1861/4

15 m westlich des Langen Loches (1861/9) wartet schon die nächste Höhle, wenn man sie als solche bezeichnen darf: die Felsnische. 1 m lang, 1 m breit und 1,5 m hoch. Uninteressant; warum sie es in den Kataster geschafft hat, ist fraglich.

Selbst diese Nische hat eine Katasternummer - rechts ist der Vierer zu erkennen
Selbst diese Nische hat eine Katasternummer - rechts ist der Vierer zu erkennen

Bergmilchkluft 1861/32

Die Bergmilchkluft liegt etwa 30 m westlich vom Langen Loch und zählt zu den interessanteren Höhlen der Flatzer Wand. Über einen kleinen, künstlich erweiterten Einschlupf gelangt man abwärts in einen etwas größeren Raum, von dem zwei Gänge wegführen. Die rechte, bis zu 2 m breite und 2 m hohe Hauptkluft mit schönen Deckenstrukturen führt leicht bergab, bis sie kleinräumig endet. Die linke sehr schmale, bis 3 m hohe Strecke verläuft parallel zur rechten Kluft, ist aber kürzer als diese. Die Gesamtlänge der beiden Gänge beträgt 33 m, vom Eingang bis zum Endraum des rechten Ganges (tiefster Punkt der Höhle) geht es 4 m bergab. Die Bergmilchkluft ist eine Kluftfugenhöhle, in der schöne Kolkbildungen, aktive und inaktive Sinterbildungen sowie nicht unansehliche Bergmilchbildungen vorkommen. 

Das mittlere Loch ist der unscheinbare Eingang der Bergmilchkluft
Das mittlere Loch ist der unscheinbare Eingang der Bergmilchkluft
... und der Innenraum des Hauptganges, in Blickrichtung Ausgang
... und der Innenraum des Hauptganges, in Blickrichtung Ausgang

Neue Höhle 1861/11

Inschrift in der Felswand
Inschrift in der Felswand

Die Neue Höhle liegt 50 m östlich des Langen Loches (1861/9) am von diesem weiter unterhalb der Felswände entlangziehenden Steiglein. Sie besteht aus einer leicht absinkenden Halle (Länge 7 m, Breite 5 m, Höhe 3-4 m), der nach einer Engstelle eine 4 m hohe Raumerweiterung folgt, wo Sedimentabgrabungen durchgeführt wurden. Anschließend gabelt sich die Höhle in zwei schmale Fortsetzungen.

Die Gesamtganglänge beträgt 26 m, der Höhenunterschied 4 m. Vor der ersten Engstelle ist ein fest montiertes Gitter angebracht, sodass nur die lichtdurchflutete erste Halle befahren werden kann.

Die Neue Höhle - rechts hinten das Gitter
Die Neue Höhle - rechts hinten das Gitter

Heuschreckenspalte (Karlsteigloch) 1861/6

Links Name, rechts Katasternummer
Links Name, rechts Katasternummer

Etwa 100 m östlich des Langen Loches (1861/9) befindet sich der kleine Eingang der Heuschreckenspalte in 2 m Höhe über dem Wandfuß. Da das Ende des 8 m langen, schlufartigen Kluftganges bereits von unten zu erkennen ist, sind ein Hochklettern und eine Befahrung eigentlich nicht wirklich notwendig ...

Heuschreckenspalte
Heuschreckenspalte
... ein Stück weiter drin
... ein Stück weiter drin

Jungfrauenkeller 1861/8

150 m östlich des Langen Loches (1861/9) liegt noch eine 3 m lange und bis zu 5 m hohe Halbhöhle mit Spitzbogenprofil, das ist der sogenannte Jungfrauenkeller.

Felsspalt mit Katasternummer (rechts unten)
Felsspalt mit Katasternummer (rechts unten)

Schwarze Lucke (Marienhöhle) 1861/16

Der Name steht angeschrieben
Der Name steht angeschrieben

100 m westlich des Langen Loches (1861/9) liegt am markierten Zugangsweg zum Langem Loch, der vom Wandsteig abzweigt, eine Halbhöhle (Länge 6 m, Breite 3 m, Höhe 1,5 m) mit  drei schönen Marienbildern. Etwa in der Mitte dieser als Schwarzen Lucke oder Marienhöhle bezeichneten Nische befindet sich ein Felspfeiler.

Die Schwarze Lucke - alias Marienhöhle ...
Die Schwarze Lucke - alias Marienhöhle ...
... mit den der Mutter Gottes geweihten Bildern
... mit den der Mutter Gottes geweihten Bildern

Rohrauerhöhle (Wandsteigloch) 1861/24

Katasternummer
Katasternummer

Über den am Fuße einer Felswand unweit des Wandsteiges gelegenen niedrigen Eingang gelangt man über eine abfallende, 8 m lange, sehr niedrige Schlufstrecke (die keinesfalls unterschätzt werden sollte) in einen Raum (Länge 5 m, Breite 8 m, Höhe bis zu 2 m) mit engräumigen, zum Teil labyrinthischen Seitenstrecken: Von der Schlufstrecke kommend, zweigen links drei Gänge ab, der erste führt nach einem Rechtsknick in einen winzigen Raum; der zweite ebenfalls, dieser ist aber unschliefbar. Der dritte Gang ist schmal und endet nach ca. 5 m. Gegenüber des dritten Ganges befindet sich auf der rechten Seite (vom Eingangsschluf aus gesehen) noch eine weitere kurze Fortsetzung, die nach einem Felsbrocken kleinräumig endet. Gesamtganglänge 48 m, Gesamthöhenunterschied 6 m.

Das niedrige Portal am Wandfuß
Das niedrige Portal am Wandfuß
Acht Meter lange Schlufstrecke
Acht Meter lange Schlufstrecke

Rötellucke (Rötelloch) 1861/13

Die Rötellucke ist die zweitgrößte Höhle der Flatzer Wand nach dem Langen Loch (1861/9). Sie liegt etwa 50 m westlich von der Rohrauerhöhle (1861/24) in leicht schrofigem Gelände. Über ein sehr kleines Portal in Bodennähe gelangt man in die 7 m lange, bis 3,5 m breite und 3 m hohe Eingangshalle. Anschließend folgt ein kriechend befahrbarer, leicht mäandierender Hauptgang mit engen Seitenstrecken und -kammern. Der Endraum, die sogenannte Forscherhalle, weist bis zu 6 m Länge, 2 m Breite und 2,5 m Höhe auf. Sie kann über zwei engräumige Wege vom Hauptgang aus erreicht werden. Vereinzelt finden sich in dieser Höhle Sinterbildungen; im Eingangsbereich sind Spuren von Grabungen nach Tonscherben und Tierknochen vorhanden. Die Gesamtganglänge beträgt 81 m, der Gesamthöhenunterschied 6 m.

Der kleine Eingang, rechts daneben steht die Katasternummer angeschrieben, darüber die Länge fälschlicherweise mit ca. 60 m (da wurden nicht alle Seitenstrecken berücksichtigt)
Der kleine Eingang, rechts daneben steht die Katasternummer angeschrieben, darüber die Länge fälschlicherweise mit ca. 60 m (da wurden nicht alle Seitenstrecken berücksichtigt)
In der Eingangshalle, Blick zum Ausgang
In der Eingangshalle, Blick zum Ausgang
Der anschließende Gang
Der anschließende Gang
Es wird gatschiger ...
Es wird gatschiger ...
... bis schließlich links ein abwärtsführender Gang abzweigt, der über eine Engstelle in die Forscherhalle leitet
... bis schließlich links ein abwärtsführender Gang abzweigt, der über eine Engstelle in die Forscherhalle leitet
Detail
Detail
Eine Fledermaus darf bei so einem abenteuerlichen Höhlenbesuch natürlich nicht fehlen
Eine Fledermaus darf bei so einem abenteuerlichen Höhlenbesuch natürlich nicht fehlen

Kübellucke 1861/67

Die östlich des Riessteigs gelegene Kübellucke besteht aus einem winzigen Eingang, dem ein 7 m langer Schluf folgt.   

Die Kübellucke fällt eher in die Kategorie Mauseloch
Die Kübellucke fällt eher in die Kategorie Mauseloch
Blick hinein
Blick hinein

Marterkluft 1861/30

Über diese Höhle konnten leider keine näheren Informationen gefunden werden. Möglicherweise wurde sie beim Forststraßenbau verschüttet.

Windloch 1861/18

Das Windloch befindet sich in der Nähe vom Doppelsteig-Ausstieg. Eine 5 m hohe und 1,5 m breite Nische erschließt über zwei kleine Fenster einen sehr engen 5 m hohen Schlot mit verwitterter Wandversinterung. Die Gesamtlänge dieser Höhle beträgt 8 m.

 

Höhlen im westlichen Teil der Flatzer Wand

Schiebbögen 1861/14

Im Verlauf des Fürststeigs im westlichen Teil der Flatzer Wand befinden sich die Schiebbögen, das ist eine aus zwei Naturbrücken bestehende Höhlenruine. Durch den unteren Schiebbogen führt der Fürststeig, durch den anderen der hier beginnende Lochsteig. Die vermessene Ganglänge beträgt 15 m.

Der untere Schiebbogen
Der untere Schiebbogen
Der untere Schiebbogen von der anderen Seite
Der untere Schiebbogen von der anderen Seite
Rechts der kleinere obere, links der untere Schiebbogen
Rechts der kleinere obere, links der untere Schiebbogen

Lochsteighöhle (Lochsteigloch) 1861/10

Aufschrift neben dem Eingang
Aufschrift neben dem Eingang

Die 5 m lange Lochsteighöhle befindet sich am Lochsteig im Westteil der Flatzer Wand, kurz vor der Kreuzung mit dem Ternitzer Steig, etwa 50 m östlich der Gemauerten Lucke (1861/5). Sie besteht aus einem mannshohen Kluftgang, der  nach ca. 3 m rechts abbiegt und gleich darauf endet.

Der Eingang
Der Eingang
Das Ende des Ganges
Das Ende des Ganges

Gemauerte Lucke (Flatzer Loch) 1861/5

Im westlichen Teil der Flatzer Wand befindet sich das bereits von weiten sichtbare Wandportal (5 m hoch, 4 m breit) der Gemauerten Lucke, die aus einem 12 m langen, 3 m breiten und 4 m hohen Gang besteht. Der Haupteingang mündet 9 m über dem Wandfuß aus, der Zustieg wurde mit Klampfen, Tritten und Ringen gangbar gemacht. Über diese Steiganlage und durch die Höhle führt der Lochsteig (A/B), der sie wieder über eine zweite kleinere Tagöffnung verlässt. Im Endabschnitt der Höhle befindet ein unbefahrbarer Tagschlot. Hier suchte die Flatzer Bevölkerung 1683 während der zweiten Türkenbelagerung Zuflucht und mauerte das Portal zu. Jedoch verriet sie der Rauch von einer Feuerstelle und die Türken metzelten sie nieder.

Blick in den Endteil der großen Höhle
Blick in den Endteil der großen Höhle
Vom Eingangsbereich hat man einen herrlichen Blick auf die umliegende Hügellandschaft
Vom Eingangsbereich hat man einen herrlichen Blick auf die umliegende Hügellandschaft
Der zweite Eingang, aus dem der Lochsteig wieder hinaus führt
Der zweite Eingang, aus dem der Lochsteig wieder hinaus führt

Fuchsloch 1861/56

10 m nordwestlich vom westlichen Eingang der Gemauerten Lucke (1861/5) befindet sich im Verlauf des versicherten Lochsteigs der unscheinbare Eingang vom Fuchsloch. Dieser ermöglicht den Zugang in einen 0,5 m langen und 2 m breiten Gang mit einer Raumhöhe auf der linken Seite bis zu 2 m und auf der rechten von 0,5 m.

Der kleine Einschlupf am Wandfuß
Der kleine Einschlupf am Wandfuß
Der im linken Teil röhrenartig ausgebildete Innenraum ist bis zu 2 m hoch
Der im linken Teil röhrenartig ausgebildete Innenraum ist bis zu 2 m hoch

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